Farbe und Funktion

Orientierung durch Kontrast

In Deutschland sind zur Zeit circa 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Pro Jahr werden es rund 300 000 Patienten mehr. Neben Symptomen wie Vergesslichkeit oder Sprachstörungen verändert sich auch die Orientierungsfähigkeit. Damit Menschen mit dieser Erkrankung ihre Selbstständigkeit erhalten, ist es besonders wichtig ihnen Orientierungshilfen in Form von klaren Strukturen und einer für sie leicht wahrnehmbaren Umwelt zu geben. Basierend auf diesen Erkenntnissen hat HEWI einen Waschtisch speziell für Demenz-Patienten entwickelt. Die Funktion wird über eine dauerhaft angebrachte farbige Markierung signalisiert. Hierdurch wird dem Demenz Leidenden

zum einen die Wahrnehmung des Waschtisches im Raum erleichtert und zum anderen dessen Nutzung verständlich gemacht. So wird das selbstständige Agieren im Bad gefördert. Die Markierungen sind rot gestaltet. Qualitative Studien zeigen, dass die Farbe Rot von Demenz-Erkrankten am einfachsten wahrgenommen wird. Zudem ist Rot, bei altersbedingten Seheinschränkungen oder inoperablen Augenerkrankungen, wie zum Beispiel einer Makuladegeneration, ebenfalls die Farbe, die am leichtesten registriert wird. Der Demenz-Waschtisch eignet sich daher auch für Menschen, deren Sehfähigkeit mit dem Alter abnimmt.

DAS GANZE INTERVIEW

Interview mit Frau Dr. B. Dietz

Funktionale Aspekte von farbiger Gestaltung

Demenz, Waschtisch, Waschbecken, Mineralguss, Design, Barrierefrei
Demenz, Waschtisch, Waschbecken, Mineralguss, Design, Barrierefrei

Im Interview erklärt Architektin Dr. Birgit Dietz die Hintergründe zur Entwicklung des alters- und demenzsensiblen Waschtisches, den sie gemeinsam mit HEWI entworfen hat. Sie ist Lehrbeauftragte an der Technischen Universität München im Bereich Krankenhausbau und Gebäude des Gesundheitswesens und Inhaberin eines Architekturbüros in Bamberg.

Wahrnehmung im Alter

Kontrastreiche Gestaltung

Der Mensch orientiert sich zu 80 Prozent über die Augen. Im Alter nimmt die Sehfähigkeit zunehmend ab. Eiweißablagerungen an der Linse (Eintrübung) schränken die Wahrnehmung von Farben ein; vor allem Farbkontraste im Bereich von Blau- und Grünschattierungen sind bei einer Eintrübung der Linse nicht mehr differenziert wahrnehmbar. Durch Veränderungen an der Pupille wird die Regulierung der Tiefenschärfe eingeschränkt, zudem wird mehr Licht zur Wahrnehmung benötigt. Durch Gesichtsfeldeinschränkungen wird das Erfassen des Raumeindrucks erschwert.

Durch eine kontrastreiche, farbige Gestaltung wird die Wahrnehmung erleichtert und so Menschen mit altersbedingten Seheinschränkungen die Orientierung ermöglicht. Diesen Gestaltungsvorgaben folgen der Demenz-Waschtisch als auch die Sanitär-Accessoires und barrierefreien Produkte von System 800 K.

PLANUNGSTIPPS

Tipps für die Bad-Planung

Demenzsensible Gestaltung

Üblicherweise ist der Waschtisch und der darüber hängende Spiegel im Blickfeld, wenn das Bad betreten wird. Dies ist für Menschen, die schwer an Demenz leiden, problematisch, da sie sich nicht mehr selbst im Spiegel erkennen können und daher zu dem Schluss kommen, der Sanitärraum wäre besetzt. Hilfreich ist in diesem Fall die Anordnung so zu ändern, dass beim Öffnen der Tür zuerst das WC gesehen wird.

Demenz, Waschtisch, Waschbecken, Mineralguss, Design, Barrierefrei
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Sortiment

Demenz-Waschtisch