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Barrierefreiheit in der Arztpraxis umsetzen: Das müssen Sie beachten

Rund zwei Drittel aller Arztpraxen in Deutschland sind nicht barrierefrei. Damit sind die Praxen und Gesundheitszentren nicht dafür ausgerichtet, um Menschen mit Einschränkungen zu versorgen. Was es bei der Planung von Arztpraxen und Gesundheitsbauten zu beachten gibt, erläutern wir in diesem Beitrag.

In Deutschland gibt es laut dem Bundesarztregister zurzeit circa 132.000 Praxisstandorte. Nur 36,7 Prozent der Praxen sind barrierefrei. Damit sind zahlreiche Menschen mit Beeinträchtigungen – darunter beispielsweise RollstuhlnutzerInnen – von einer ärztlichen Behandlung ausgeschlossen. Vielerorts mangelt es an behindertengerechten Parkplätzen oder einem Aufzug. Viele Praxisräume sind außerdem nicht rollstuhlgerecht und sie verfügen nicht über eine geeignete Möblierung. Im Gesetz ist eine freie Arztwahl festgehalten – doch für Menschen mit Beeinträchtigungen ist diese nicht gegeben. Ziel von barrierefreien Arztpraxen ist es, dass möglichst viele PatientInnen diese ohne fremde Hilfe und ohne Erschwernis besuchen können.

Muss eine Praxis barrierefrei sein?

Arztpraxen fallen unter die öffentlich zugänglichen Gebäude. Baurechtliche Vorschriften für die Arztpraxis hinsichtlich der Barrierefreiheit finden Sie in der DIN 18040-1 Barrierefreies Bauen. Dort ist vorgeschrieben, dass Neubauten barrierefrei zu planen sind. Die DIN 18040 berücksichtigt damit insbesondere die Anforderungen von Menschen, die über eine Sehbehinderung verfügen, die motorische Einschränkungen haben oder auf Mobilitätshilfen (Rollstühle, Gehhilfen) angewiesen sind. Neue Arztpraxen und Gesundheitszentren sind seit 2009 barrierefrei zu bauen. Eine bereits bestehende Arztpraxis barrierefrei zu gestalten, ist oftmals mit einem hohen Aufwand verbunden und gar nicht so einfach umzusetzen. Ob eine bestehende Arztpraxis barrierefrei sein muss und ob dies Vorschrift ist, ergibt sich grundsätzlich aus der landesgesetzlichen Bauordnung. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sowohl für PatientInnen als auch für Arztpraxen hilfreiche Informationen zu diesem Thema zusammengestellt. Dort finden sich auch nützliche Hinweise für Sie als PlanerIn oder ArchitektIn.

Barrierefreiheit Arztpraxis: Das sollten Sie berücksichtigen

Barrieren tauchen im Alltag überall auf. Nicht nur Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sind davon betroffen. Auch Eltern mit einem Kinderwagen oder Personen, die eine Fußverletzung haben, sind in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wenn auch nur temporär. Aber selbst in solchen Fällen wird der Weg in eine Praxis über viele Treppenstufen ohne Aufzug beschwerlich.

Folgende Aspekte sollten Sie bei der Planung einer barrierefreien Praxis berücksichtigen:

  • Gute Ausschilderung der Praxis
  • Zugang zum öffentlichen Nahverkehr
  • Behindertengerechter Parkplatz ist wünschenswert
  • Barrierefreier Zugang zur Praxis durch einen ebenerdigen Eingang, eine Rampe oder einen Aufzug
  • Gute Beleuchtung, keine Stolperfallen
  • Platzierung der Klingel muss so gestaltet sein, dass auch Menschen im Rollstuhl sie erreichen
  • Breite Eingangstür
  • Barrierefreier, rollstuhlgerechter Aufzug
  • Türen lassen sich leicht öffnen, bestenfalls durch automatische Türöffner
  • Höhenverstellbare, flexible Möbel (auch zur Untersuchung)
  • Gebärdensprache bzw. induktive Höranlagen
  • Orientierungshilfen für Menschen mit Sehbehinderung
  • Barrierefreies WC bzw. barrierefreie Sanitäranlage

PraxisinhaberInnen können sich beim zuständigen Bau- oder Bauaufsichtsamt informieren, wenn sie ihre Räume modernisieren möchten. Dort erhalten sie Klarheit darüber, was genau unter dem Aspekt der Barrierefreiheit in der Arztpraxis zu beachten ist.

Barrierefreie Sanitäranlagen in der Arztpraxis

Bei der Planung von Gesundheitszentren und Arztpraxen nimmt der Sanitärraum eine besondere Rolle ein. Die Ausgestaltung des Bads ist herausfordernd, da es so gestaltet sein muss, dass alle PatientInnen es benutzen können. Darunter RollstuhlfahrerInnen, Rollator-NutzerInnen, blinde oder sehbehinderte Menschen bzw. Personen mit kognitiven Einschränkungen. Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie in unseren Planungstipps für Waschtisch und WC.

barrierefreier WC-Bereich in System 800

Kontrastreiche Gestaltung der barrierefreien Arztpraxis

Generell lässt sich festhalten, dass eine kontrastreiche Gestaltung empfehlenswert ist. Nicht nur im Sanitärbereich, sondern in der gesamten Arztpraxis. Dadurch finden sich Menschen deutlich besser zurecht. Funktionselemente – etwa am Waschtisch – sind so deutlich besser zu erkennen. Gute Gestaltungsoptionen bieten sich darüber hinaus mit unserem System 900. Die Sanitätsserie umfasst nicht nur Stützklappgriffe und Haltegriffe, sondern auch praktische Accessoires für die Arztpraxis. Darunter beispielsweise Seifen- oder Desinfektionsmittelspender, die wichtig für die Hygiene sind.

Seifenspender und Handtuchhaken in schwarz System 900

Repräsentative Gebäude, worunter auch Gesundheitszentren und Arztpraxen zählen, stellen besondere Anforderungen an die Gestaltung. HEWI bietet für Sie als PlanerIn oder ArchitektIn einen kostenlosen Planungsservice an. Melden Sie sich gerne, sollten Sie Fragen haben.

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