HEWI MAG / Design

Eine Hommage an das Bauhaus und den HEWI Türdrücker 111

Zum 100. Jubiläum des Bauhaus gestalteten Olff Appold, Kai Brüninghaus und Jürgen Sandfort die Vernissage Re:Form – eine Hommage an 100 Jahre Bauhaus. Die Ausstellung fand im stilwerk Hamburg, Berlin und Düsseldorf statt. Im Anschluss ist nun ein Kunstband über die Ausstellung und das Bauhaus entstanden. 

Wir haben mit den Machern über ihre Leidenschaft für den Bauhaus Stil, ihre Beziehung zu HEWI und zum Türdrücker 111 gesprochen.

"Der Türdrücker 111 ist durch seine klare Form und Funktionalität der Beweis für die Zeitlosigkeit des Bauhauses."

"Der Türdrücker verkörpert ideal das Thema unserer Hommage und unserer Spurensuche nach den Auswirkungen des Bauhauses."

HEWI: Herr Appold, Herr Brüninghaus, Herr Sandfort, Sie sind die Initiatoren der Vernissage Re:Form. Was genau verbirgt sich hinter dem Konzept bzw. wie und wo kam Ihnen die Idee zur Ausstellung?

APPOLD: Die Idee einer Hommage an die berühmte Bauhaus-Schule entwickelte sich während einer Fotoproduktion für die KPM – Königliche Porzellan-Manufaktur in Berlin. Durch die Vase Halle 3 der Bauhaus-Schülerin Marguerite Friedlaender wurde ich inspiriert ein freies Kunstprojekt zu realisieren, um die revolutionären Designentwicklungen von damals bis heute aufzuzeigen. Die Vision einer Ausstellung in den klassischen und modernen Ausdrucksformen brachte mich zusammen mit Kai Brüninghaus und Jürgen Sandfort, so entwickelte sich die interdisziplinäre Hommage, in der wir durch unsere drei Expertisen der Bauhaus-Schule nachspürten.

BRÜNINGHAUS: Als Olff Appold mir Anfang 2018 seine Idee zur Hommage vorstellte, sagte ich spontan zu, da mir die Interdisziplinarität des Bauhaus immer schon vertraut war und mir sofort eine Vielzahl Ideen in den Sinn kamen, wie man eine künstlerische Aussage formulieren könnte. Für die Transformation des Bauhaus in die heutige, virtuelle 3D-Welt sprach ich dann mit Jürgen Sandfort, dessen Arbeiten ich in diesem Medium sehr schätze.

SANDFORT: Ich kam in der Konzeptionsphase hinzu, da beide der Meinung waren, auch dem digitalen Bewegtbild als Ausdrucksmöglichkeit von heute in der Ausstellung einen Platz zu geben und zu zeigen, das Bauhaus damals wie heute auch bewegte Gestaltung umfasst.

Künstlerisch angeordnete Design-Originale - Facettenreichtum der Stilikonen

HEWI: Was verbinden Sie mit dem Bauhaus Stil?

APPOLD: Der Bauhaus-Stil hat sehr viele Facetten und steht bis heute für Architektur, Design und Funktionalität. Ein gutes Möbel beispielsweise ermöglicht auf fabelhafte Arte und Weise ein Lebensgefühl in Selbstverständnis und Wohlgefallen. Im „Freischwinger“ wird der Körper bequem im Raum gehalten, man kann sich auf andere wichtige Dinge konzentrieren und auch die Gedanken können „frei schwingen“.

BRÜNINGHAUS: Bauhaus ist für mich nicht nur eine Frage des Stils, sondern vor allem ein freies, auf die Zukunft gerichtetes Denken, das sich nicht in Schubladen wie Architektur, Design, Kunst, Reklame etc. einsperren lässt. Richtet man den Blick auf die formalen Qualitäten des Bauhaus, so zeichnet die Entwürfe immer aus, dass sie stringent, vom Material her sinnlich, von der Funktion konsequent und von der Ausführung Exzellenz beweisen.

Mich fasziniert an den Bauhaus-Entwürfen die hohe Eigenständigkeit und der individuelle Charakter, der sie schließlich zu unverwechselbaren Originalen werden lässt.

SANDFORT: Seit meiner Jugend bin ich ein großer Fan der Bauhaus-Möbel und ihrer funktionalen und klaren Linien. Anfangs waren es die Stahlrohr-Freischwinger, die so perfekt in die Ästhetik der 80er passten. Aber über die Jahre wurde mir klar, wie zeitlos die Gestaltungselemente des Bauhaus sind und wie leicht sich diese Elemente dadurch in neue Designströmungen übersetzen, integrieren und neu interpretieren lassen.

 

"Die Bauhaus-Ideen der Reduktion auf das Wesentliche, Farbe, Form und Funktion zu vereinfachen ist und bleibt ein moderner Gedanke." - Appold

 

HEWI: Beeinflusst Sie der Bauhaus-Gedanke in ihren Arbeiten?

APPOLD: In der Tat hat sich durch unsere Spurensuche zu den Auswirkungen der Bauhaus-Schule herausgestellt und bestätigt, wie sehr wir in der Arbeit heute ganz im Sinne der Bauhaus-Idee gestalten. Wir arbeiten interdisziplinär, wir suchen neue Ansätze und Lösungen in der visuellen Kommunikation und extrahieren auf künstlerische Art und Weise. Dabei setzten wir die spannenden technischen Möglichkeiten ein, die uns in 2020 zur Verfügung stehen: Fotografie, Film, Grafik, 3D-Design, Digital Signage.

BRÜNINGHAUS: Bei meiner Arbeit als Kommunikationsdesigner unterstütze ich Unternehmen und Marken in der Entwicklung ihrer individuellen Persönlichkeit. Den Blick dabei zu weiten und zusätzliche Entwicklungspotentiale zu identifizieren bzw. zu wecken ist auch Ausdruck des Bauhaus-Gedanken, nicht beim Status quo der Erkenntnis zu verharren, sondern Neuland zu suchen und zu betreten.
Als Künstler arbeite ich bei meinen freien, nicht Auftrags-gebundenen Werk mit experimentellen Fotoarbeiten in Verbindung mit grafischen Ausdrucksformen. Dabei entfaltet der Bauhaus-Gedanke seine Qualität in der forschenden Entwicklung der Medien, Themen und ihrer visuellen Evidenz.

Der Kunstband über die Ausstellung Vernissage Re:Form – eine Hommage an 100 Jahre Bauhaus veranschaulicht die Zeitlosigkeit des Bauhauses.

HEWI: Welche Aspekte des Bauhaus-Gedankens haben heute noch Auswirkungen auf unseren Alltag?

APPOLD: Die Bauhaus-Ideen der Reduktion auf das Wesentliche, Farbe, Form und Funktion zu vereinfachen ist und bleibt ein moderner Gedanke. Viele Produkte von heute sind vom Bauhaus beeinflusst und haben sich weiterentwickelt, so ist für mich beispielsweise auch das moderne Smartphone ein Produkt welches die Kriterien eines Bauhaus Design Produktes erfüllt.

BRÜNINGHAUS: Die Idee „Bauhaus“ gewinnt für mich ungeahnte Aktualität und Relevanz angesichts der weltweiten Pandemie und dem damit verbundenen Wechsel der Perspektiven. Vor einhundert Jahren nach spanischer Grippe (1917), dem Ersten Weltkrieg (1918) und der Suche nach gesellschaftlich-politischer Entwicklung hat das Bauhaus die Strömungen der Moderne in seinem Wirken zu einer Haltung verdichtet und wichtige kreative Impulse entwickelt. Ähnlich erleben wir aktuell eine Zäsur durch Covid-19 in der schon jetzt, wenige Monate nach Beginn der Pandemie, sich mir das Gefühl einer Vor-Corona-Zeit einstellt, wenn ich an 2019 zurückdenke und ich mich frage, welche Aspekte des Bauhaus uns in den nächsten 100 Jahren nützen können.

Mein Ansatz ist es den Begriff Bauhaus als Impuls und Anregung zu verstehen und die aktuell neu entstehenden Denkräume bzw. sich verändernden Perspektiven zu nutzen um in interdisziplinärer, schöpferischer Zusammenarbeit auf drängende Fragen eines nachhaltigen Zusammenlebens neue Aspekte wahrzunehmen. Wie können wir als Gesellschaften mit weniger mehr erreichen und aus der Vergangenheit lernen, um die Zukunft besser zu verstehen, damit neue Impulse gesetzt werden können.

SANDFORT: Am Anfang unseres Weges war Bauhaus für mich wie für viele geprägt durch die Architektur und damit verbunden auch dem Möbeldesign. Bei unserer Spurensuche nach den Auswirkungen des Bauhaus wurde mir zunehmend bewusst wie viele Versatzstücke der Bauhausphilosophie man überall in der modernen Gestaltung entdecken kann. Auch, dass es sich beim Bauhaus um eine wirklich Bewegung handelte, die auch soziale und sozial-ökonomische Aspekte beinhaltete, strahlt bis heute aus.

 

"Als besonders anschauliches Beispiel, welches die Auswirkungen des Bauhaus in den letzten einhundert Jahren perfekt darstellt, wollte ich den Türdrücker des System 111 unbedingt in unserer Hommage vorstellen." - Brüninghaus

 

HEWI: Warum verbinden Sie HEWI mit dem Bauhaus?

APPOLD: HEWI arbeitet mit dem gebogenen Rohr in sehr schönen Oberflächen und Farben und setzt für mich so den Gedanken einer Bauhaus-Designikone fort. Das Produkt wird zum Statement, Design, angenehme Funktionalität und die Wertigkeit stehen im Vordergrund.

BRÜNINGHAUS: Das Unternehmen hat mit dem Türdrücker des System 111 ein Stück Architekturgeschichte geschrieben und eine markante Designikone – ein „Original“ geschaffen, das einen unverwechselbaren Charakter mitbringt. Der Türdrücker 111 verkörpert für mich die Ideen des Bauhaus in Form, Material und Qualität. Seine auf die Funktion reduzierte Gestaltung unter Verwendung moderner Materialien, die Emotion der Farbe und der Verzicht auf dekoratives Beiwerk ist Bauhaus par excellence.

 

Im Film zu sehen: Fotoshooting zur Vernissage Re:Form – eine Hommage an 100 Jahre Bauhaus.

HEWI: Weswegen hat der Türdrücker 111 einen Platz in Ihrer Ausstellung gefunden?

APPOLD: Bei der Auswahl der Produkte für unsere Hommage kam Kai Brüninghaus auf die Idee den Türdrücker mit aufzunehmen. Ich fand die Idee von Beginn an genau richtig und wichtig, denn der HEWI Türdrücker 111 steht für die Zwischenzeit in der Bauhaus Recherche, die 1970er und 1980er-Jahre.

BRÜNINGHAUS: Als besonders anschauliches Beispiel, welches die Auswirkungen des Bauhaus in den letzten einhundert Jahren perfekt darstellt, wollte ich den Türdrücker des System 111 unbedingt in unserer Hommage vorstellen. Er verkörpert ideal das Thema unserer Hommage und unserer Spurensuche nach den Auswirkungen des Bauhaus.

SANDFORT: Der Türdrücker 111 ist durch seine klare Form und Funktionalität der Beweis für die Zeitlosigkeit des Bauhaus. Seine Gestaltung ergänzt das Gesamtbild, ohne es zu dominieren.

 

"Anhand der Farbe der Türgriffe konnte man in meiner Schule damals erkennen vor welchem Klassenzimmer man sich gerade befand, was oft sehr hilfreich war." - Sandfort

 

HEWI: Was macht für Sie das Besondere des Türdrückers 111 aus?

APPOLD: Als Kind habe ich irgendwann das erste Mal vor einem Türdrücker 111 gestanden und mir gedacht, es ist eine sehr gute Idee den Türbeschlag in zwei Kreise zu reduzieren. Das zum Türblatt gebogene Ende des Handgriffs ist ein Statement und verhindert ein Abrutschen. Zudem ist das Ganze ein hochglänzender Handschmeichler in diversen Farben. Es ist ein sehr gut gestaltetes Alltagsprodukt, industriell hochwertig gefertigt und damit für mich im besten Sinne ein zeitloses Designstück der Bauhaus-Maxime.

BRÜNINGHAUS: Der Türdrücker 111 ist mit seiner auf Kreisen basierenden Konzeption sehr stringent gestaltet. Die Radien, die entstehenden Volumina und die gesamte Form ergeben ein in sich geschlossenes, selbstständiges und vor allem ein selbsterklärendes Gestaltungsprinzip ohne manieriert zu wirken. Die Symbiose aus Idee, Formensprache, Material und Nutzung finde ich einfach faszinierend.

 

HEWI: Gibt es eine besondere Erinnerung an den Türdrücker 111 in Ihrem Leben?

BRÜNINGHAUS: Der Türdrücker 111 ist für mich ein wohl bekannter Begleiter meiner Jugend in Marburg an der Lahn der 70er Jahre. Gefühlt hatte ich damals täglich den Türgriff in der Hand. Wahrscheinlich hatten die Neubauten der Universität auf den Lahnbergen, bei denen der Türdrücker 111 seine erste umfangreiche Verwendung fand, einen stilbildenden Einfluss auf die gesamte Stadt.
Dabei treffe ich, ungeachtet einer ästhetischen Bewertung, wieder auf eine Ausformung der Bauhaus-Idee. Mit dem „Marburger Bausystem“ wurde in den 60/70ern eine Revolutionierung und Optimierung des Bauens im Hochschulbau verwirklicht, die auf Überlegungen der 20er-Jahre zurückreicht und seinerzeit noch für den sozialen Wohnungsbau diskutiert wurde. Intelligente Gestaltungsraster, Konstruktionsmodule, Materialität, Serienfertigung und Variabilität sind Eigenschaften, die vom Gebäude als physische Struktur bis hin zu seinen markanten, Tür-öffnenden Originalen im Innenraum an Prinzipien des Bauhaus anknüpfen.

SANDFORT: Natürlich der Türdrücker in allen Farben in der Schule. Anhand der Farbe der Türgriffe konnte man in meiner Schule damals erkennen vor welchem Klassenzimmer man sich gerade befand, was oft sehr hilfreich war.

 

HEWI: Wir danken Ihnen für diese spannenden Eindrücke zur Entstehungsgeschichte der Vernissage Re:Form – eine Hommage an 100 Jahre Bauhaus und des in diesem Rahmen entstandenen Kunstbands. Ihre Ausführungen haben auch uns nochmal einen anderen Blick auf unsere Design-Ikone System 111 gegeben.

 

Die Künstler

Olff Appold

Kai Brüninghaus

Jürgen Sandfort

Olff Appold

Olff Appold arbeitet seit 21 Jahren in seinen Loftstudios in Hamburg-Altona für Werbeagenturen und Zeitschriften, entwickelt und gestaltet redaktionelle Beiträge sowie umfassende Firmendarstellungen und Produktpräsentationen. Zu seinen Kunden gehören starke Marken und Manufakturen, so arbeitet er gemeinsam mit den Agenturen an hochästhetischen Bildern und Filmen zeitgenössischer Bildsprachen für alle Kanäle der Markenkommunikation. 

www.olffappold.com 
Instagram: @olffappoldphotography

 

Kai Brüninghaus

Ganz im Sinne der Bauhaus-Idee begeistert Kai Brüninghaus die Verbindung von Kunst und Design seit seinem Studium in Köln, wo er die einmalige Gelegenheit ergriff freie Kunst und Kommunikationsdesign parallel zu studieren. Als Meisterschüler bei Prof. Stefan Wewerka und mit Design-Diplom in der Tasche ging er nach Hamburg, wo er in den folgenden Jahren angesehene Marken aus Mode und Industrie betreute. Seit 23 Jahren selbstständig, erarbeitet er mit seinen Kunden aus Industrie, Mode und Handel maßgeschneiderte visuelle Identitäten. Gleich ob angewandte Gestaltung oder freie Kunst - kreative Leidenschaft, Lust am Experiment und Professionalität prägen seinen Stil. 

www.brueninghaus-design.de
www.kaibrueninghaus.de
Instagram: @kaibhaus

 

Jürgen Sandfort

Jürgen Sandfort arbeitet seit 21 Jahren als selbstständiger Illustrator und Grafiker in Hamburg. Seine Liebe zu CGI entwickelte er schon sehr früh, als er mit 14 Jahren seinen Commodore VC-20 in Händen hielt. Heute arbeitet er im Bereich CGI, Design und Final Artwork für namhafte Marken aus allen Bereichen.

www.sandfort-hh.de 
Instagram: @sandfort_visuals

 

Credits Bilder: Künstler Trio: Appold / Brüninghaus / Sandfort

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