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Ist ein barrierefreies Tiny House möglich?

Minihaus bietet zahlreiche Vorteile 

Baugrundstücke sind Mangelware und vielerorts inzwischen für viele Menschen unbezahlbar geworden. Die angespannte Lage in der Baubranche aufgrund von Fachkräfte- und Ressourcenmangel verschärft die Situation zusätzlich. Der Trend geht daher in Richtung Minihaus. Ob mit körperlichen Einschränkungen oder im hohen Alter – Barrierefreiheit wäre auch in einem Tiny House ein großer Vorteil. Doch ist ein Tiny House barrierefrei umsetzbar? 

Minihäuser vereinen viele Vorteile: Sie erfüllen nicht nur den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit, da sie wenig Platz verbrauchen. Sie belassen viel Raum für grüne Flächen und versiegeln den Boden nur wenig. Viele Tiny Houses sind sogar darauf angelegt, dass sie ihre Besitzer auf Trailern verstauen. Das macht sie insbesondere für junge Menschen und Arbeitsnomaden attraktiv.

Fotos: fotografische Werkstatt, Katharina Jaeger, auch Header

Woher stammt die Idee vom Tiny House?

Ursprünglich entstammen Tiny Houses aus dem sogenannten Tiny House Movement oder auch Small House Movement. Dabei handelt es sich um eine gesellschaftliche Bewegung in den USA. Diese propagiert das Leben in kleinen Häusern, etwa aus einem Umweltbewusstsein heraus. Gleichzeitig richten sich Minihäuser an Menschen mit einem geringen Einkommen. Tiny Houses umfassen grundsätzlich einen Wohnraum bis zu 110 m2 und verfügen dabei in der Regel über 15 bis 45 m2 Nutzfläche. Die Ausstattung ist recht überschaubar: Ein Tiny House verfügt über eine Küche oder eine Küchenzeile, ein Bad- sowie einen Schlafbereich. Deshalb benötigen auch Minihäuser einen Anschluss an die Ver- sowie Entsorgung, wie Strom, Wasser und Abwasser. Ursprünglich in den USA entstanden, ist die Tiny House-Bewegung in Deutschland angekommen. Als Vorläufer betrachtet man in Deutschland den ausgebauten Bauwagen – vielen sicherlich durch Peter Lustig in Löwenzahn bekannt.

Tiny Houses: Begehrt bei alt und jung

Laut einer Studie sind nicht ausschließlich junge Menschen an einem Minihaus interessiert. Ganz im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass 58 Prozent der Kunden von Tiny House-Herstellern älter als 56 Jahre sind. Das ist nicht verwunderlich, bergen Tiny Houses Vorteile für diese Altersgruppe. Im Gegensatz zu einem Grundstück mit einem großen Haus oder einer großen Wohnung sind Minihäuser viel einfacher sauber und instand zu halten. Außerdem sind Minihäuser günstiger als Einfamilienhäuser. Insbesondere für ältere Menschen ist es schwer, einen Kredit zu bekommen, um sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen. Eine eigene Immobile ist oftmals vorteilhaft. Einmal bezahlt, sparen sich die Menschen die hohen Mietkosten. Tiny Houses lassen sich problemlos auf einem vorhandenen Grundstück platzieren, um so beispielsweise näher bei der Familie zu wohnen. Die SeniorInnen bleiben selbstständig, während die Kinder nah genug sind, um diese zu unterstützen. SeniorInnen stellen oftmals ihr ehemaliges Eigenheim den Kindern bereit und bewohnen mit ihrem neuen Tiny House das eigene Grundstück. Dabei ist zu beachten, dass für feststehende Tiny Häuser auf einem Grundstück in der Regel Baugenehmigungen erforderlich sind. Dennoch sind Tiny Houses flexibel einsetzbar. Jederzeit lassen sie sich an einem anderen Ort platzieren oder als Ferienhaus weitervermieten, sollte ein Umzug ins Pflegeheim nötig sein.

Foto: fotografische Werkstatt, Katharina Jaeger

Tiny House barrierefrei gestalten – mit größerer Grundfläche 

Nicht nur für das altersgerechte Wohnen ist es wichtig, barrierefreie Aspekte in einem Haus zu berücksichtigen. Bereits in jüngeren Jahren ist es sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen. Insbesondere, wenn eine langfristige Nutzung des Tiny Houses angedacht ist. Um zusätzlichen Platz zu gewinnen, verfügen einige Tiny Houses über eine zweite Ebene. Um das Tiny House barrierefrei zu gestalten, fällt diese Variante allerdings raus. Alle Räume befinden sich auf nur einer Ebene – und das möglichst auf einer großen Grundfläche. Sehr kleine Minihäuser von 15 bis 20 Quadratmetern fallen für eine barrierefreie Gestaltung aus dem Raster.

 

Ist ein barrierefreies Tiny House umsetzbar? 

Was die Barrierefreiheit eines Tiny Houses angeht, kommt es auf verschiedene Aspekte an. Möchten die BewohnerInnen mobil sein, so ist die Grundfläche des Tiny Houses sehr kompakt zu planen, um die Mobilität auf einem Trailer zu ermöglichen. Ist es allerdings angedacht, das Tiny House auf einem Grundstück zu planen, so lassen sich barrierefreie Aspekte berücksichtigen. Die Barrierefreiheit in Wohnungen ist durch die DIN 18040-2 geregelt. Diese gilt für Häuser und Wohnungen. Berücksichtigen Sie bei der Planung eines Tiny Houses nur einzelne Aspekte der DIN-Norm, so spricht man von einem altersgerechten oder barrierearmen Tiny House. An ein barrierefreies Haus stellt die DIN 18040 einige weitere Anforderungen. So müssen Räume ohne Schwellen zu erreichen sein. Außerdem benötigen Rollstuhlnutzende ausreichend große Bewegungsflächen, um sich zu drehen oder zu wenden. Ganz wichtig ist auch die Barrierefreiheit an der Tür. Barrierefreie Türen sind mindestens 90 cm breit und 205 cm hoch. Außerdem müssen sie eine Leibung von 26 cm aufweisen. Sind Schwellen nicht zu vermeiden, dürfen diese maximal 2 cm hoch sein. Wichtig ist auch die Greifhöhe: Türdrücker sollten in einer Höhe von 85 cm über der Oberkante des Fußbodens angebracht sein.

Wohlfühlen im Bad – auch bei wenig Platz 

Einer der sicherlich wichtigsten Bereiche – was die Barrierefreiheit im Tiny House angeht – ist das Bad. Auch wenn es schwierig erscheint, auf einer kleinen Fläche ein möglichst altersgerechtes Bad umzusetzen: Es gibt einige Tipps und Tricks für die Planung. Wichtig ist, dass die Tiny House BewohnerInnen sich darin wohlfühlen. Das ist mit einigen Kniffen auch in einem kleinen Bad möglich. So lässt sich durch großformartige Fliesen ein einheitliches Fugenbild erreichen, wodurch das Bad ruhiger und größer wirkt. Transparente Glasabtrennungen oder Spiegel sorgen für Helligkeit und Weite.

Worauf Sie bei der Planung eines barrierefreien Bads achten müssen 

Ein Bad benötigt unterschiedliche Produkte, sodass sich seine Nutzenden wohlfühlen. Bad Accessoires werten das Bad nicht nur optisch auf, sondern unterstützen auch bei der Reinigung. Darunter etwa WC-Bürsten, welche unbedingt an der Wand zu platzieren sind. Dies lässt den Raum größer erscheinen und erweitert noch dazu die Bewegungsfläche.

WC-Rollenhalter und WC-Bürstengarnitur in schwarz

System 900 von HEWI bietet beispielsweise sehr viele Gestaltungsoptionen, um ein Tiny House behindertengerecht auszustatten. Die Dusche ist mindestens mit einer ebenen Fläche von 120 x 120 cm zu planen. Elemente wie Duschsitze, Haltegriffe oder Stützklappgriffe sind bereits bei der Planung zu berücksichtigen, auch wenn sie noch nicht benötigt werden. So können die Tiny House-BewohnerInnen sie bedarfsgerecht nachrüsten. Weitere Hinweise zur Gestaltung einer barrierefreien Dusche finden Sie auch in unseren Planungstipps.

Tiny House barrierefrei: Ein neuer Wohntrend? 

Ein Tiny House komplett barrierefrei zu planen, gestaltet sich oftmals schwierig. Denn dafür sind große Bewegungsflächen nötig, über die ein Tiny House nicht immer verfügt. Allerdings ist es definitiv möglich, ein Tiny House barrierearm umzusetzen. In vielen Fällen reicht dies auch schon vollkommen aus, um beispielsweise im höheren Alter komfortabel zu wohnen. Wollen Sie hingegen ein Minihaus für Rollstuhlnutzende umsetzen, so sollte dies auf einem festen Grundstück installiert sein. Dann ist es möglich, entsprechende Bewegungsflächen einzuplanen. Ob nun ein größeres oder ein sehr komptaktes Tiny House: HEWI bietet mit seinem umfassenden Produktangebot im Bereich Sanitär die passenden Lösungen.

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